Arbeitskleidung in Tunesien produzieren lassen: wie es funktioniert
Wer Arbeitskleidung in Tunesien fertigen lässt, durchläuft eine klare Abfolge vom Tech Pack bis zum Versand. Hier finden Sie die einzelnen Schritte, die Beteiligten und alles, was Sie vorbereiten sollten, bevor Sie einen Konfektionsbetrieb kontaktieren.
Der Rahmen: ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union
Tunesien und die Europäische Union sind durch ein Assoziierungsabkommen verbunden, das 1995 unterzeichnet wurde und 1998 in Kraft trat. Laut Europäischer Kommission sieht dieses Abkommen vor, dass gewerbliche Waren zwischen beiden Seiten in beide Richtungen zollfrei gehandelt werden.
Arbeitskleidung fällt unter diesen Rahmen, allerdings unter einer Bedingung: Sie muss im Sinne der Ursprungsregeln als „Ursprungsware“ gelten. Diese Frage hängt vor allem von der Herkunft der Stoffe ab. Sie wird vor der Bestellung geklärt, nicht erst bei der Zollabfertigung. Einzelheiten dazu finden Sie in unserem Artikel über Zölle und Ursprungsregeln.
Die Beteiligten eines Konfektionsprojekts
An einem Fertigungsprojekt wirken mehrere Parteien mit, jede mit einer klaren Rolle:
- Die Marke oder der Auftraggeber: legt das Produkt fest, liefert das Tech Pack, gibt den Prototyp und die Produktion frei.
- Der Konfektionsbetrieb: schneidet zu, näht, prüft und verpackt die Kleidung. Im Full Package kauft er auch die Materialien ein.
- Die Lieferanten von Stoffen und Zutaten: bei CMT vom Kunden ausgewählt, im Full Package vom Konfektionsbetrieb.
- Der Spediteur: organisiert den Transport und übernimmt die Zollformalitäten bei Ausfuhr und Einfuhr.
- Die Zollbehörden: prüfen die Unterlagen, darunter den Ursprungsnachweis.
Wenn klar ist, wer was übernimmt, entstehen keine Grauzonen. Liefert zum Beispiel der Kunde die Stoffe, muss er selbst sicherstellen, dass deren Herkunft die Zollbefreiung ermöglicht.
Die Schritte eines Auftrags
Bei Vestra durchläuft ein Auftrag fünf Schritte.
- Das Tech Pack. Der Kunde übermittelt die vollständige Beschreibung des Kleidungsstücks: Zeichnungen, Maße, Materialien, Zutaten, Verarbeitungsdetails, Etikettierung, Verpackung.
- Das Angebot. Der Betrieb kalkuliert den Artikel, indem er ihn in einzelne Arbeitsgänge zerlegt. Diese Liste heißt Arbeitsfolgeplan. Je genauer das Tech Pack, desto verlässlicher die Kalkulation.
- Der Prototyp. Ein erstes Exemplar wird gefertigt und dem Kunden vorgelegt. Die Produktion beginnt erst nach seiner Freigabe.
- Die Produktion. Sie umfasst Zuschnitt, Nähen und Qualitätskontrolle, danach die Verpackung.
- Der Versand. Die Ware wird zu den mit dem Kunden vereinbarten Bedingungen versendet.
Für den Versand gibt es bei Vestra zwei Varianten: Lieferung FOB oder Lieferung bis zum Lager des Kunden über einen Spediteur. Bei FOB liefert der Verkäufer laut Definition der Internationalen Handelskammer die Ware an Bord des vom Käufer benannten Schiffes im Verschiffungshafen und erledigt die Ausfuhrformalitäten. Die Gefahr geht dann auf den Käufer über. Diese Regel der Incoterms gilt nur für den Transport auf See und auf Binnenwasserstraßen.
Was Sie vor der Angebotsanfrage vorbereiten sollten
Ein Konfektionsbetrieb kann ein Kleidungsstück, das in zwei Zeilen beschrieben ist, nicht sauber kalkulieren. Stellen Sie vor dem ersten Kontakt folgende Unterlagen zusammen:
- Das vollständige Tech Pack: technische Zeichnungen, Maßtabelle je Größe, Stückliste der Materialien und Zutaten, Nahtdetails, Position der Markierungen.
- Die Schnittmuster, wenn Sie mit CMT arbeiten: Der Betrieb schneidet nach Ihren Schnitten zu.
- Das gewünschte Fertigungsmodell: CMT (Sie liefern Stoffe und Zutaten) oder Full Package (der Betrieb kauft die Materialien ein).
- Die Mengen je Modell und Farbe: Sie bestimmen die Organisation der Produktion. Bei Vestra liegt das Minimum bei 200 Teilen pro Modell, kleine Serien werden je nach Anzahl der Farben im Einzelfall geprüft.
- Die Herkunft der Stoffe: Sie entscheidet, ob das Kleidungsstück zollfrei in die EU eingeführt werden kann.
- Die Anforderungen an die Etikettierung: In der EU schreibt die Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 vor, Bezeichnung und Gewichtsanteil aller Fasern anzugeben, und zwar in der oder den Amtssprachen des Landes, in dem das Produkt auf dem Markt bereitgestellt wird.
- Die Lieferbedingungen: FOB oder Lieferung bis zu Ihrem Lager.
Die Produktion aus der Ferne verfolgen
Wer im Ausland produziert, stellt sich eine einfache Frage: Wie weiß ich, wo mein Auftrag steht? Vestra stellt dafür ein Onlinekundenportal bereit. Dort verfolgt der Kunde jeden Auftrag Schritt für Schritt: Materialien, Zuschnitt, Nähen, Kontrolle, Versand. Außerdem findet er dort seine Unterlagen.
Die Kommunikation läuft auf Französisch, Englisch, Niederländisch oder Deutsch. Der Vertriebskontakt sitzt in Nizza. Das Werk liegt 25 Minuten vom Flughafen Enfidha entfernt und kann nach Terminvereinbarung besichtigt werden. Bei einem Besuch sehen Sie die Produktionslinien, die Maschinen und die Qualitätskontrolle, bevor Sie einen ersten Auftrag vergeben.
Bei Vestra
Vestra Manufacturing SARL fertigt seit 2023 Arbeitskleidung in Sidi Bou Ali bei Sousse. Der Standort mit 2.400 m² umfasst 5 Produktionslinien und 1 Prototypenlinie, rund 300 Maschinen und 120 Beschäftigte in der Produktion. Overalls, Hosen, Jacken und Warnschutzkleidung laufen auf den großen Linien, Kittel, medizinische Kasacks und Schürzen auf den kleinen Linien. Jeder Auftrag durchläuft dieselben Schritte vom Tech Pack bis zum Versand und bleibt im Kundenportal sichtbar.
Für ein Angebot senden Sie Ihr Tech Pack an sales@vestratextile.com.
Häufige Fragen
Wer liefert die Stoffe?
Das hängt vom gewählten Modell ab. Bei CMT liefert der Kunde Stoffe und Zutaten. Im Full Package kauft der Betrieb sie ein. Bei Vestra wird Full Package für bestimmte Produktfamilien angeboten.
Mit welcher Mindestmenge sollte ich rechnen?
Bei Vestra beginnt die Produktion ab 200 Teilen pro Modell. Kleine Serien werden je nach Anzahl der Farben im Einzelfall geprüft.
Welche Zölle fallen bei der Einfuhr in die EU an?
Ein Kleidungsstück mit Ursprung in Tunesien wird im Rahmen des Assoziierungsabkommens zollfrei in die EU eingeführt. Die Ursprungseigenschaft hängt von den Ursprungsregeln und insbesondere von der Herkunft der Stoffe ab: Sie wird vor der Bestellung geprüft.
Vestra Manufacturing, Hersteller von Arbeitskleidung in Tunesien →
Quellen
- Commission européenne, DG Commerce, relations commerciales UE Tunisie : https://policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and-region/countries-and-regions/tunisia_fr
- Chambre de commerce internationale (ICC Academy), règles FOB et FAS des Incoterms 2020 : https://academy.iccwbo.org/incoterms/article/incoterms-2020-fas-or-fob/
- Règlement (UE) n° 1007/2011 relatif aux dénominations des fibres textiles et à l'étiquetage, EUR Lex : https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2011/1007/oj/fra
- ILNAS (Luxembourg), fiche d'information sur le règlement (UE) n° 1007/2011 : https://portail-qualite.public.lu/dam-assets/fr/securite-sante/surveillance-marche/fiches-produits/directive/d/Factsheet-UE-1007-2011.pdf